Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V.
Buddenbrookhaus, Mengstraße 4, D-23552 Lübeck


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Auf dieser Seite veröffentlichen wir Hinweise zu eigenen Veranstaltungen oder zu Veranstaltungen anderer Gruppen/Vereine/Einzelpersonen, die in einem engen Zusammenhang zu Erich Mühsam stehen.
Veranstaltungshinweise senden Sie bitte an: post@erich-muehsam-gesellschaft.de


Ältere Veranstaltungshinweise finden sie im Archiv






Mühsams Spuren in Meiningen


Literarische Erkundungen rund um Erich Mühsam, den Revolutionär und Schriftsteller, führten jetzt Literaturbegeisterte
für einige Tage nach Meiningen.

Vom 31 .Juli bis 5.August waren 20 Literaturbegeisterte zu einem Seminar unter dem Titel „Mühsam in Meiningen“ in
der attraktiven thüringischen Stadt zu Gast. Veranstaltet wurde es vom Evangelischen Bildungswerk Bremen innerhalb
der Reihe Literatur an Ort und Stelle.

Warum gerade in Meiningen erhellt sich, wenn man weiß, dass der Schriftsteller und Revolutionär Erich Mühsam 1930
mehrfach Meiningen besuchte,um in der Bakuninhütte Gleichgesinnte aus dem Raum Thüringen zu treffen.
Es war die Endphase seines politischen Wirkens. Nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 wurde Mühsam
sofort von den Nazis verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Als Hauptvertreter der Anarcho-Syndikalistischen
Bewegung und als einer der wichtigsten Aktivisten der 1. Münchner Räterepublik ist dieser Mann historisch
Interessierten ein Begriff. Weniger bekannt und in den gängigen Literaturgeschichten kaum erwähnt, ist
seine breite literarische Tätigkeit. Mühsam beherrschte alle Genres. Er schrieb unablässig Gedichte,
darunter auch viele über die Liebe, verfasste mehrere Theaterstücke und ein Romanfragment,
aber auch philosophische, kulturpolitische und agitatorische Texte, die er vor allem in seinen Zeitschriften Kain und Fanal herausgab.

Zusätzliche spannende Einblicke in Zeit und Person(en) liefern Mühsams umfangreicher Briefwechsel und nicht zuletzt die
Tagebücher,auch online einzusehen. Dabei klingt es ein wenig makaber, dass das Romanfragment mit dem Titel „Ein Mann des Volkes“,
das in satirischer Weise die Karriere eines SPD-Funktionärs aufs Korn nimmt, in der Einzelhaft in der Festung Niederschönenfeld geschrieben wurde.
Nach Mühsams Entlassung auf Bewährung 1924 blieb keine Zeit mehr, das interessante Projekt weiterzuführen, da die politische Aktion
angesichts des aufkommenden Nationalsozialismus wieder im Vordergrund stand.

Für die Teilnehmer des Seminars war es eine zusätzliche lrritation, dass die Beschäftigung mit dem Schriftsteller,
der Jahre seines Lebens hinter Gefängnismauern verbracht hatte,im Hotel Fronveste stattfand und sie in zum Teil
umgebauten Zellen des ehemaligen Gefängnisses wohnten. Heute jedenfalls ist das Hotel Fronveste eine gastfreundliche und für Tagungszwecke bestens geeignete Begegnungsstätte.

„Diese Hütte haben die Genossen gebaut...“ steht auf einer Postkarte Erich Mühsams an seine Frau Zenzl vom 8.Februar 1930.

Das Foto zeigt eine historische Aufnahme. Ein Besuch der Bakuninhütte stand natürlich auch auf dem Seminarplan der Literaturinteressierten. Foto: Archiv

Den Teilnehmer des Seminars fiel beim Lesen der Tagespresse übrigens auf, dass der Untertitel des Meininger Tageblattes Freier Geist und freies Wort
tlautet. HattensiedochbeimBesuchder Bakuninhütte auf der Hohen Maas, wo die Seminargruppe von kundigen Vertreterinnen des Wandervereins
Bakuninhütte Genaueres über die wechselvolle Geschichte dieses Ortes erfuhren, den in den 1920er Jahren von einem Meininger
Anarcho-Syndikalisten formulierten Hüttenspruch entdeckt: „Freies Land und freie Hütte ,freier Geist und

freies Wort, freie Menschen, freie Sitte zieht mich stets an diesen Ort.“ Die Frage, ob das Meininger Tageblatt im Sinne dieses
Spruches arbeitet, musste zwar offen bleiben,h ätte die Gruppe jedoch sehr gefreut.

Ohne Frage blieb, dass der Wanderverein Bakuninhütte mit außerordentlichem Engagement versucht,dieses in Deutschland kulturhistorisch
einmalige Denkmal Bakuninhütte ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken, wofür ihm jede politische, finanzielle und
mediale Unterstützung zu wünschen wäre. So fügte sich eins zum andern und Meiningen erwies sich als der angemessene Ort,
das Leben und Werk von Erich Mühsam erneut zu würdigen, fand doch schon 2015 im Meininger Schloss eine Ausstellung zu Mühsam in Meiningen statt.

Claudia Rouvel/Rudolf Wenzel










Hufeisern gegen Rechts lädt ein:

Erinnerung an Erich

Mühsam



Samstag, den 24. Sept. 2022, vor dem Gedenkstein, Dörchläuchtingstr. 52 (Nähe U-Bhf. Parchimer Allee),

Beginn: 15 Uhr

Aktueller denn je erscheint uns Erich Mühsams radikale Ablehnung von Diktatur, Krieg und Gewalt angesichts des
russischen Überfalls auf die Ukraine, der Kriege in Syrien und anderen Teilen der Welt.

Wegen dieser Einstellung wurde der Dichter und Anarchist von den Nazis 1933 in der Hufeisensiedlung
verhaftet und ein Jahr später im KZ Oranienburg ermordet.

Im Rahmen des Gedenkens wird um 15.45 Uhr in der Paster-Behrens-Str. 16 ein Stolperstein für Mühsams
Freund, dem anarchistischen Verleger und Kabarettisten Leon Hirsch, verlegt.
Es sprechen neben Vertreter*innen von Hufeisern gegen Rechts der Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft
Lienhard Böhning sowie Frank-Burkhard Habel, Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft.
Musikalisch begleitet wird das Erinnern von der Akkordeonistin Isabel Neuenfeldt mit Liedern von Erich
Mühsam, Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky und Erich Weinert.

Sie sind herzlich eingeladen.






Liebe Freundinnen und Freunde Erich Mühsams,
liebe Mitglieder der Erich-Mühsam-Gesellschaft!

Es gibt wieder neue Nachrichten von der Erich-Mühsam-Gesellschaft.

Endlich konnte in diesem Jahr wieder eine Tagung stattfinden. Wir trafen uns vom 11.3. bis zum 13.3. 2022 wieder im Theodor-Schwartz-Haus in Brodten bei Lübeck.
Die Tagung war ausgebucht und alle freuten sich, dass es wieder losgehen konnte.

Auf dieser Tagung wurde auch ein neuer Vorstand gewählt, den wir Euch gerne vorstellen möchten. Wir haben uns gefreut, dass  einige neue Vorstandsmitglieder dazugekommen sind.



Vordere Reihe:
Rosemarie Bouteiller, Simone Temp, Andreas Rosenberger, Lienhard Böhning, Marita Bruns, Günther Bruns.
Zweite Reihe:
Astrid Kandulla, Ingo Koch, Michael Bouteiller.
Es fehlt: Nadine Wirz aus der Schweiz.
Auch in diesem Jahr haben wir wieder an zwei Veranstaltungen zum 88. Todestag von Erich Mühsam in Berlin teilgenommen.
Das Oranienburger „Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt“ hat auch in diesem Jahr eine Gedenkverstaltung zum Todestag von Erich Mühsam mit einer Demonstration und einer Veranstaltung an der Gedenktafel für Erich Mühsam am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers organisiert. Lienhard Böhning hat dort einen Redebeitrag zum Leben von Erich Mühsam gehalten.

An der Zusammenkunft mit Picknick und Lesungen an Mühsams Grab auf dem Waldfriedhof in Dahlem, wieder von Peter Bäß und Susanne Misere organisiert, wurden wir von Angelika Neiss (früher im Vorstand) vertreten, da aus dem Vorstand keiner kommen konnte.



Lienhard Böhning mit den Oranienburgern!


Lienhard spricht über Erich Mühsam!




Bericht zum Geburtstag von Erich Mühsam

am 06. April 2022


Unter folgendem Link findet sich ein Artikel rund um den Geburtstag von Erich Mühsam und die
Verleihung des Erich-Mühsam-Preises.

Bericht Geburstag Erich Mühsam



MÜHSAMS DRAMA „STAATSRAISON“

IN ITALIEN AUFGEFÜHRT



Unserem engagierten Mitglied Leonhard Schäfer, Italien, ist es gelungen, eines der der besten Schauspiele von Erich Mühsam,
nämlich Staatsraison, wieder auf die Bühne zu bringen, diesmal in italienischer Sprache.
Piscator hatte es in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin zur Aufführung gebracht.
Das Leben und Sterben der Anarchisten Sacco und Vanzetti hatte damals eine beispiellose Bewegung der aufgeklärten Welt in Gang gesetzt.
Wir haben vergeblich verschiedentlich versucht, Theater zu einer Wiederaufführung des Dramas anzuregen!
Um so mehr danken wir Leo und seinen Mitspieler*innen für diese Aufführung!

Ein Bericht der Aufführung mit einigen Bildern: Bericht Aufführung "Staatsraison"



Porträt von Erich Mühsam


Dieses Porträt von Erich Mühsam wurde uns freundlicherweise von Wolfram P. Kastner vom Institut für Kunst und Forschung , München für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank





Zur Information

Jan Bachmann
*1986 in Basel, hat an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Mit seinem Kurzfilm "Man müsste
Räuber sein oder zumindest Sprengmeister" wurde er 2015 für den Preis der Deutschen Filmkritik nominiert. 2017
war er mit einem SKK-Atelierstipendium ein halbes Jahr in Ägypten und im April 2017 hat er den Comic-Förderpreis
der Schweizer Städte gewonnen. Gerade arbeitet er an einer Form von Prequel zu "Mühsam". Diesmal geht es um
den Monte Verità im Jahre 1900. Zehn Jahre bevor die Tagebücher des Anarchisten Erich Mühsam
(das Material zu "Mühsam") beginnen. Dieses Projekt "Der Berg der nackten Wahrheiten" wird von der Pro Helvetia
unterstützt.
atelierpeng.ch


Jan Bachmann
MÜHSAM, ANARCHIST IN ANFÜHRUNGSSTRICHEN

ISBN 978-3-03731-172-1
96 Seiten, farbig, 22 x 30, Klappenbroschur
CHF 24.00/EUR 19.80, inkl. Versand

Der junge Lübecker Poet und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) wird im Sommer 1910 von seinen besorgten
Brüdern auf Kur in die Schweiz geschickt. Er findet sich dort in einem bürgerlichen und an seinen Talenten
uninteressierten Umfeld wieder. Das Dichten fällt ihm schwer und sein Werben um eine hübsche Mitpatientin ist
weitgehend erfolglos. Ständig plagen ihn Sexualität und Geldsorgen, während er darauf hofft, dass zumindest
die bei ihm bestellten Chansontexte bezahlt werden.

Graphic Novel Erich Mühsam, der "Anarchist in Anführungsstrichen"

Er war Revolutionär, Bohemien und Poet: Für das Porträt "Anarchist in Anführungsstrichen“ hat der Zeichner
Jan Bachmann drei Monate aus Erich Mühsams Tagebüchern verarbeitet - und zeigt einen höchst widersprüchlichen
Menschen.

"Sollen diese Tagesaufzeichnungen für mich selbst als Erinnerungsstützen Wert haben, so müssen sie ehrlich sein,
die notierten Ereignisse niemals fälschen und für mein gegenwärtiges Erleben wichtige Vorgänge nicht verschweigen.
Die Rücksicht darauf, dass die Notizen einmal publiziert werden könnten, darf nichts entscheiden." Das schreibt
Erich Mühsam 1910 in seinem Tagebuch über das Tagebuch-Schreiben. Und ihm ist es ernst damit: Schamlos
ehrlich berichtet er über sein Leben als Schriftsteller, Bohemien und Anarchist. Zumindest so ehrlich, dass er
Selbstzweifel so wenig auslässt wie die ihm eigene Selbstüberschätzung, die ständige Geldknappheit so wenig
wie seine Unsicherheit gegenüber Frauen.

Bohemien und öffentliche Figur
Seit 2011 veröffentlicht der Verbrecher Verlag sukzessive die kompletten Tagebücher Erich Mühsams, die die
Jahre 1910 bis 1924 umfassen. Der Schweizer Comic-Zeichner Jan Bachmann hat nun aus den ersten drei Monaten
des ersten Bandes von 1910 die Graphic Novel "Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" gemacht. Für ihn ist
Mühsam der ideale Comic-Held, denn, so Bachmann: "Mühsam war schon damals ein Freak, würde man heute
sagen. Er hat sich ganz schräg gekleidet. Wirklich schräg, lange Haare, dieser Blick, diese Brille. Er ist viel
aufgetreten, hat viele Reden geschwungen, Gedichte rezitiert. Er war wirklich eine öffentliche Figur, die sich
sehr stark inszeniert hat."



Uns begegnet ein Mühsam mit überlanger, spitzer Nase, mit krausem Haar und dichtem Rauschebart, gezeichnet
in satten Farben und mit krakeligen Linien. Expressionistische Bilder, ganz verpflichtet dem künstlerischen Zeitgeist
des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Für die Story übernimmt Bachmann ausgewählte Tagebucheinträge Wort für
Wort, entwickelt Szenen daraus, erfindet Dialoge dazu. Und weil die Story 1910 spielt, lernen wir nicht den Mühsam
kennen, der die Revolution von 1918 mit anführt, sondern den 32-jährige Poeten und Bohemien, der noch von der
Revolution träumt. Der kaum Bücher verkauft – und trotzdem überzeugt ist von sich selbst: "Natürlich lehnt mein
Verleger die Herausgabe meiner Moritate [sic!] ab", lautet einTagebucheintrag. "Ich glaube, ich kann das Buch auf
das Massengrab meiner übrigen Pläne werfen. Als ob ich geradezu mit dem linken Fuße aus dem Mutterleib gestiegen
wäre. Denn am Ende habe ich doch alles; Talent, Fleiß, Intelligenz und bin ein leidlich netter Mensch."

Ein Anarchist auf Kur
Obwohl nur ein Ausschnitt von knapp drei Monaten aus Mühsams Leben gezeigt wird, bekommt man ein sehr gutes
Bild von ihm. Mühsam ist auf Kur in Château d’Oex in der Schweiz, nachdem er zu Unrecht im Gefängnis saß, flieht
von dort zu seinem Liebhaber Johannes Nohl und geht später nach München. Er schreibt Gedichte und Artikel für
linke Zeitschriften – und schnulzige Chansons, um über die Runden zu kommen. Er ahnt den kommenden Krieg voraus,
stellt sich gegen den Militarismus der Zeit. Er bezeichnet sich als Anarchist, kritisiert die Sozialdemokraten für ihre
Kompromisse – und pumpt sich immer wieder Geld von den Verwandten. Er verachtet das Bürgertum – und sucht
doch dessen Anerkennung.

Genau diese Widersprüche findet Autor Jan Bachmann spannend: "Er hat in der Zeit versucht, das Proletariat zu
agitieren, und hat die mit Freibier zu seinen Veranstaltungen gelockt. Er hat also die Hoffnung, da irgendetwas
bewirken zu können und war darin noch relativ erfolglos zu dieser Zeit. Und auf der anderen Seite fühlt er sich als
total unterschätzter Poet. Er hat eine große Ambition, in der bürgerlichen Welt zu reüssieren und das funktioniert
auch überhaupt nicht. Und das finde ich interessant, dieses Hin und Her zwischen bürgerlicher Anerkennung und
einer Revolution, die er möchte."

Themen, die noch immer aktuell sind
Die Revolution wird später kommen – und Mühsam ein Teil von ihr sein. Ein noch größerer und wichtigerer Teil wird
er von der Münchner Bohème sein. Auch davon ist im Buch noch kaum etwas zu spüren, schlicht, weil das
Geschehen nur zum kleinsten Teil in München stattfindet. "Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" ist eine
ausgesprochen kurzweilige Graphic Novel, die einen schmunzeln und nachdenken lässt über Themen, die auch
heute noch aktuell sind: Über das Leben im Prekariat genauso wie über eine schleichende Aufrüstung und
eine zunehmend konfrontative Welt. Eine Stimme wie die Erich Mühsams, das wird klar, wäre auch heute wichtig.
"Erich Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" von Jan Bachmann ist in der Edition Moderne erschienen.




















FÜHRUNGEN & SPAZIERGÄNGE in Lübeck auf den Spuren Erich Mühsams, VORTRÄGE jwgoette@gmx.de  
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